Der VfL Schildesche damals und heute: Rolf Waurenschk (links), Geschäftsführer des VfL, und der 1. Vorsitzende Oliver Stüwe (rechts) blicken stolz auf die bewegte Geschichte des VfL zurück, der aus der »Deutschen Eiche« (rechts ein Foto aus dem Jahr 1907) entstand.
»Toller Verein, tolle Zahl, tolles Heim«
VfL Schildesche feiert sein 111-jähriges Bestehen
Schildesche. 111 Jahre und kein bisschen leise ... und das ist auch gut so, denn: »Wir wollen feiern!«, sagt Oliver Stüwe, 1. Vorsitzender des VfL Schildesche, »unseren tollen Verein, die tolle Zahl, in unserem tollen Vereinsheim!« Gefeiert wird am Samstag, 22. November, der Beginn der Veranstaltung ist für 19 Uhr geplant. Oliver Stüwe (50) arbeitet seit 16 Jahren im Vorstand des VfL, seit zwölf Jahren bestimmt er die Geschicke des Vereins maßgeblich als 1. Vorsitzender mit. Über 650 Mitglieder verfügt der Verein insgesamt, davon spielen allein 350 Jugendliche (bis 18 Jahre) in den 17 Jugendmannschaften Fußball. 15 Nationaliäten finden sich im VfL zusammen. »Das ist gelebte Integration«, meint der 1. Vorsitzende und weiß aus seiner hauptberuflichen Arbeit als »Schilsker Sheriff«: »Bei der Polizei taucht ganz selten mal der Name eines Jugendlichen aus unserem Verein auf. Feste Regeln, Zusammenhalt, Aufgaben - Fußball-Jugendarbeit ist Sozialarbeit in ihrer besten Form.«Mehr als 80 000 Bielefelder seien übrigens in Sportvereinen aktiv. »Und sind damit auch ein nicht zu unterschätzender politischer und Wirtschaftsfaktor«, betont Stüwe, »die brauchen Duschgel und Socken und Sportschuhe und noch vieles mehr.«Bis auf eine kleine Turn- und Schwimmriege wird im VfL heute fast ausschließlich Fußball gespielt. Neben den Jugend- gibt es auch noch zwei Senioren- und eine Damenmannschaft sowie mehrere Altliga-Mannschaften. Die jüngsten Vereinsmitglieder sind gerade geboren - »die werden mit der Geburt angemeldet«, freut sich Stüwe - das älteste MItglied ist 89. Karl Voß ist immer noch bei jedem Heimspiel auf dem Sportplatz dabei und bei jeder Feier der Erste, der mitmacht.Der VfL wurde im Jahr 1897 unter dem Namen »Arbeiter Turnverein Deutsche Eiche Schildesche« gegründet. Damals meinten 20 junge Turner erkannt zu haben, dass ein Arbeiter neben seiner zehnstündigen, harten und beschwerlichen Arbeit dringend Sport zur körperlichen und geistigen Entspannung bräuchte. Ursprünglich turnten diese 20 im »Turnverein Eintracht Bielefeld«, fassten aber den Entschluss, in Schildesche separat die »Deutsche Eiche« zu gründen. Zum Vereinslokal wurde die ehemalige Gaststätte Denker auserkoren.Bereits zwölf Jahre später kamen Frauen in den VfL und gründeten im Jahr 1909 die Turnerinnenabteilung, drei Jahre später, im Jahr 1912, etablierte sich die erste Fußballabteilung. Gespielt wurde auf dem ehemaligen Marktplatz (heute zwischen Jibi und Eisdiele).Die ersten Trikots waren blau mit weißen Aufschlägen und schwarzem Brustring. Nach dem Ersten Weltkrieg nahm der Verein unter dem Namen »Freie Turnerschaft Schildesche« ihre Vereinsarbeit wieder auf. Im Jahr 1922 wurde 25-jähriges Bestehen gefeiert und der VfL verfügte über 420 Mitglieder, von denen einige unter anderem in einem Trommler- und Pfeiferchor aktiv waren. Bereits vier Jahre später wurde der Traum vom eigenen Sportplatz am Johannisbach Wirklichkeit, der noch bis zum Bau der neuen Anlage genutzt wurde.Im Anschluss an den Zweiten Weltkrieg erhielt der VfL seinen heutigen Namen »Verein für Leibesübungen« und rekrutierte erstaunliche 860 Mitglieder. Bei der Findung wurde als Vereinszeichen der Viadukt, als ein Schildescher Wahrzeichen integriert.Schon damals legte der Verein großen Wert auf die Jugendarbeit und konnte bereits in der Saison 1947/1948 mit der 1. Jugenmannschaft den Titel des Kreismeisters erringen. 1949 erfolgte der Aufstieg in die höchste Amateurklasse. Seit 1980 spielen auch die Damen und Mädchen mit eigenen Mannschaften im VfL. Zehn Jahre später wurde mit finanzieller Unterstützung der öffentlichen Hand in Eigenregie der Jugendraum gebaut. Nach jahrzehntelangen massiven Wasserproblemen mit der Drainage der Asche-Oberfläche des Platzes wurde vor vier Jahren ein Traum wahr:In unmittelbarer Nähe zum Viadukt wurde an der Talbrückenstraße die neue Sportanlage mit Kunstrasenfläche und neuem, modernem Vereinsheim eröffnet. Diese zeitgemäße, offensive Ausrichtung bescherte dem VfL wiederum großen Zulauf, speziell im Jugendbereich.Das 111-jährige Bestehen wird am Samstag, 22. November, im Rahmen der »Schwarz-rot-weißen Nacht« mit allen Mitgliedern gefeiert. Veranstaltungsort ist das Vereinsgelände an der Talbrückenstraße, auf dem es im Festzelt viel Essen und viel Sekt gibt.
Artikel vom 13.11.2008


